Bei Nierenkrankheit wird in der Regel eine reduzierte Proteinzufuhr empfohlen. Achtung gleich vorweg: hier sollte grundsätzlich auch zwischen den verschiedenen Stadien der chronischen Nierenkrankheit (=CKD) und dem Risiko für einen Fortschritt (=Progress) der Nierenkrankheit unterschieden werden.
Doch aus welchem Grund ist eine proteinarme Ernährung bei Nierenkrankheit so wichtig? Zu viel Eiweiß kann die Nieren belasten, da überflüssiges Eiweiß zu Harnstoff umgewandelt wird und über die Nieren mit dem Urin abtransportiert werden muss. Bei einer bereits vorliegenden Nierenfunktionsstörung oder CKD kann es so zu einer weiteren oder schnelleren Verschlechterung der Nierenfunktion kommen.
Welche Empfehlungen gelten für gesunde Menschen?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (=DGE) empfiehlt für gesunde Erwachsene eine tägliche Proteinzufuhr von etwa 0,8 - 1,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht (=g/kg KG). Für Säuglinge, stillende Frauen oder sportliche aktive Menschen können die Empfehlungen höher liegen.
Besonders jüngere Menschen nehmen jedoch noch mehr als diese empfohlene Menge an Protein zu sich. Interessanterweise empfehlen auch Wissenschaftler:innen immer häufiger die empfohlene Proteinzufuhr leicht zu erhöhen, da eine höhere Proteinzufuhr in gesunden Menschen sicher und mit verschiedenen gesundheitlichen Vorteilen (z.B. Knochengesundheit, Erhalt von Muskelmasse) verbunden sein könnte.
Wie viel Eiweiß sollte ich bei Nierenkrankheit zu mir nehmen?
Wie du bereits weißt kann eine erhöhte Proteinzufuhr bei CKD den Abfall der Nierenfunktion beschleunigen. Aus diesem Grund empfehlen medizinische Fachgesellschaften wie KDIGO in ihren Leitlinien eine Begrenzung der Proteinzufuhr. Diese Empfehlung betrifft vor allem Menschen, die von einer Nierenkrankheit betroffen sind aber keinen Diabetes haben, nicht schwanger sind und nicht dialysieren.
Wie hoch die Proteinzufuhr genau sein sollte richtet sich dabei nach dem Stadium der CKD, das über den Laborwert der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (=eGFR) gemessen wird, sowie der Ausscheidung von Eiweiß im Urin. Die Eiweißausscheidung über den Urin misst dein Ärzteteam in der Regel über die sogenannte Albumin-Kreatinin-Ratio (=UACR).
| CKD Stadium | UACR < 30 mg/g Kreatinin (A2) | UACR 30 - 300 mg/g Kreatinin (A2) | UACR > 300 mg/g Kreatinin (A3) | | --- | --- | --- | --- | | G1 & G2 | 0,8 - 1,2 g/kg KG/Tag | 0,8 - 1,2 g/kg KG/Tag | 0,6 - 0,8 g/kg KG/Tag | | G3a | 0,8 - 1,2 g/kg KG/Tag | 0,6 - 0,8 g/kg KG/Tag | 0,6 - 0,8 g/kg KG/Tag | | G3b & G4 (eGFR ≥ 20 mL/min) | 0,6 - 0,8 g/kg KG/Tag | 0,6 - 0,8 g/kg KG/Tag | 0,6 - 0,8 g/kg KG/Tag | | G4 & G5 (eGFR < 20 mL/min) | 0,8 - 1,0 g/kg KG/Tag | 0,8 - 1,0 g/kg KG/Tag | 0,8 - 1,0 g/kg KG/Tag |
Bei einer Proteinzufuhr von 0,8 g/kg KG/Tag entspricht das bei einem Körpergewicht von 70 kg also einer täglichen Eiweißzufuhr von 56 g. Bitte sieh' diese Rechnungen als einen ungefähren Richtwert. Wieviel Eiweiß du genau benötigst bedarf nämlich einer individuellen Empfehlung deine:r Nephrolog:in.
Wie beeinflusst das meine Ernährung?
Deine Eiweißzufuhr kannst du primär über deine Ernährung steuern. Grundsätzlich kannst du sagen, dass alle tierischen Lebensmittel (z.B. Fisch, Fleisch, Wurst) oder Tierprodukte (Käse, Eier) relativ viel Eiweiß enthalten. Auch in pflanzlichen Lebensmitteln wie Getreide, Hülsenfrüchte, Brot, Nudeln oder Reis steckt Eiweiß. Obst und Gemüse enthalten andererseits oft deutlich weniger Eiweiß.
Obst & Gemüse
Wie bereits beschrieben, steckt in Obst & Gemüse relativ wenig Eiweiß. Das enthaltene Eiweiß kann dein Körper im Vergleich zu tierischem Eiweiß oft weniger gut verarbeiten. Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen, Kichererbsen und Bohnen enthalten im Vergleich zu anderen pflanzlichen Lebensmitteln relativ viel und auch hochwertiges Eiweiß. Ebenso kann aus Soja hergestelltes Tofu viel Eiweiß enthalten. Pilze enthalten oft deutlich weniger Eiweiß.
Kartoffeln, Brote & Getreide
In Brot, Nudeln, Reis oder auch Kartoffeln steckt Eiweiß, allerdings nicht so viel wie in Fleischwaren. Dinkel, Amaranth und Quinoa sind zum Beispiel besonders eiweißreich. In Reis steckt andererseits relativ wenig Eiweiß.
Fisch, Fleisch & Wurstwaren
Fleisch und Fischprodukte sind tierische Lebensmittel und damit grundsätzlich sehr eiweißreich. Was den Eiweißgehalt angeht führt Schweinefleisch mit 28 g Eiweiß pro 100 g die Liste an. Nierenkranke Menschen sollten daher in der Regel weißes Fleisch - wie Huhn -oder Fisch bevorzugen. Proteinärmere Fleischvarianten sind außerdem mageres Lamm, Rind oder Hühnchen. Lammfleisch, das einen besonders hohen Fettgehalt aufweist, enthält beispielsweise weniger als 20 g Eiweiß pro 100g.
Milch- & Milchprodukte
Auch Tiererzeugnisse sind in der Regel reich an Eiweiß. Eier und Käse enthalten besonders viel Eiweiß. Der Proteingehalt eines Eis liegt bei knapp 13 g pro 100g. Achtung: Auch Milchersatzprodukte, wie Mandelmilch, können reich an Eiweiß sein.
Nüsse
Erdnüsse, Mandeln, Cashews, Walnüsse oder auch Haselnüsse sind besonders eiweißreich. Eiweißarme Alternativen sind Pekannüsse oder Macadamianüsse.
Süßigkeiten
Künstlich gefertigte Lebensmittel, die reich an Zucker und Fetten sind, enthalten oft wenig Eiweiß. Wie immer wirst du auch bei diesen Ausnahmen finden können. Käsekuchen enthält zum Beispiel relativ viel Eiweiß.
Wie steht es um Sportlernahrung & Eiweißpulver?
Vorsicht bei Sportlernahrung, wie Eiweißpulvern und Eiweißshakes. Bevor du diese zu dir nimmst, solltest du das unbedingt mit deine:r Nephrolog:in besprechen. Viele davon enthalten für Nierenkranke gefährliche Zusatzstoffe und sind extrem reich an Eiweiß.
Was gilt für Kalium & Phosphat?
Sollten deine Kalium- oder Phosphatwerte im Labor erhöht sein, kann es sein, dass dir dein Ärzteteam auch eine Einschränkung deiner Kalium- oder Phosphatzufuhr empfiehlt. In den meisten Fällen ist das jedoch erst in fortgeschrittenen Stadien der CKD notwendig. Viele Lebensmittel, die reich an Eiweiß sind, enthalten oft auch eine Menge Phosphat. Obst enthält oft weniger Eiweiß, ist jedoch reich an Kalium.
Eine pauschale Einschränkung deiner Kalium- oder Phosphatzufuhr ist ohne direkte ärztliche Empfehlung in der Regel nicht notwendig. Am Besten besprichst du das jedoch direkt mit deinem Ärzteteam.
Was soll ich also im Alltag machen?
Generell solltest du deinen persönlichen Zielwert für die Proteinzufuhr immer mit deinem Ärzteteam besprechen. Unabhängig davon gilt: Weder eine zu hohe noch eine zu niedrige Eiweißzufuhr sind gut für deine Gesundheit. Während eine hohe Eiweißzufuhr negative Folgen für die Gesundheit deiner Nieren haben könnte, kann eine zu niedrige Proteinzufuhr zu einer Mangelernährung führen. Eine gute Faustregel ist das Bevorzugen von unverarbeiteten Produkten und ein regelmäßiger, aber nicht übermäßiger Fleisch- oder Fischkonsum (1 - 2 x pro Woche).
Du darfst nicht vergessen: Es ist bei deiner gesamten Ernährung nicht so wichtig und oft auch nicht zielführend, dass du einfach auf eine Reihe an Lebensmitteln von Grund auf verzichtest. Viel bedeutsamer ist es, dass du gemeinsam mit deine:r Nephrolog:in oder Ernährungsberater:in eine Ernährungsform findest, die es schafft, deine wichtigen Werte in einem Zielkorridor zu behalten. Lege dafür Wert auf eine bewusste Ernährung und schlage den Eiweißgehalt von Lebensmitteln bei Unklarheiten einfach in der Mizu App nach.
Was gilt für Transplantation & Dialyse?
Stehen der Start der Dialyse oder eine Nierentransplantation an? In diesen Fällen ändern sich die Empfehlungen für die Proteinzufuhr oft wieder. In diesen Fällen solltest du immer das Gespräch mit deinem Ärzteteam suchen, um zu verstehen, wo dein persönlicher Zielkorridor in Zukunft liegen sollte.



