Kalium - der Motor für deine Muskeln
Kalium ist in deinem Körper für viele unterschiedliche Aufgaben zuständig. Kalium ist ein wichtiger Grundbaustein all deiner Körperzellen und regelt beispielsweise den Flüssigkeitsgehalt in einer Zelle. Kalium ist in deinen Nerven auch für die Reizweiterleitung, also die Kommunikation in deinem Körper, verantwortlich. Außerdem ist es noch an der Steuerung deiner Muskeln beteiligt. Fast 99% des Kaliums befinden sich in den Körperzellen, nur 1% im Blut.
Die Nieren sind maßgeblich für das Regeln deines Kaliumpegels im Körper verantwortlich. Über deine Ernährung kommt Kalium in deinen Körper, denn Kalium steckt in allen Lebensmitteln - in manchen viel, in manchen wenig. Die Nieren halten im Anschluss den Kaliumspiegel in deinem Blut im Gleichgewicht. Funktionieren deine Nieren nicht mehr richtig, kann Kalium weniger gut in Balance gehalten werden. Das gilt vor allem beim Eintritt eines terminalen Nierenversagens - also dem Stadium 5 der CKD - bei dem die Nierenfunktion schon deutlich eingeschränkt ist.
So kann es in manchen Fällen in späteren Stadien der Nierenschwäche bei zunehmenden Abfall der Nierenfunktion zu einem Anstieg der Kaliumwerte in deinem Blut kommen. Dein Ärzteteam spricht in diesem Fall von einer Hyperkaliämie. Diesen Abfall der Nierenfunktion erkennst du am Laborwert eGFR (=glomeruläre Filtrationsrate), der beschreibt, wie gut deine Niere dein Blut filtern kann. Im Stadium 5 liegt die eGFR unter 15 mL/min.
Was sind Hyperkaliämie & Hypokaliämie?
Bei Nierenkrankheit kann beides vorkommen: Wenn deine Kaliumwerte im Blut hoch sind, sprechen deine Ärzte, wie oben angemerkt, von einer Hyperkaliämie. Das bedeutet, dass du zu viel Kalium im Körper hast. Wenn dein Kaliumwert hoch ist, solltest du unbedingt darauf achten, dass du weniger Kalium durch deine Nahrung aufnimmst.
Aber auch das Gegenteil kommt gelegentlich vor, nämlich, dass Menschen mit Nierenkrankheit eine Hypokaliämie haben. Auch Durchfall, Erbrechen oder harntreibende Medikamente (=Diuretika) können dazu führen, dass zu wenig Kalium im Körper ist.
Gerade beim Eintritt eines Nierenversagens und einer deutlichen Abnahme der Nierenfunktion kommt es aber eher zu einer Hyperkalämie - also einem Überschuss an Kalium im Blut.
Sollte ich mich immer kaliumarm ernähren?
Die einfache Antwort lautet: nein. Denn es ist wichtig zu erwähnen, dass nicht alle Menschen mit chronischer Nierenkrankheit auch ein Problem mit ihrem Kalium haben. In vielen Fällen bleiben die Kaliumwerte bis zu einem sehr späten Zeitpunkt der Nierenerkrankung kein echtes Thema.
Aus diesem Grund empfiehlt die medizinische Fachgesellschaft KDIGO auch keine generelle Einschränkung der Kaliumzufuhr. Eine Einschränkung der Kaliumzufuhr über die Ernährung wird erst dann empfohlen, wenn sich in einer Laboruntersuchung ein Anstieg der Kaliumwerte zeigt. Du solltest also nicht einfach versuchen, weniger Kalium zu dir zu nehmen. Sprich vorher mit deinem Ärzteteam und frag nach, ob Kalium für dich überhaupt ein Problem ist.
Wie erkenne ich eine Hyperkalämie im Laborbericht?
Bei gesunden Menschen liegt der ungefähre Normalbereich für Kalium im Blutplasma zwischen 3,5 - 5,0 mmoL pro Liter. Diese Zielbereiche gelten auch bei der chronischen Nierenkrankheit. Der obere Normalbereich kann von Labor zu Labor etwas anders sein.
Frag am besten nach, wie er in deinem Zentrum ist. Ab einem Kalium über 5,0 mmoL pro Liter (oder über dem oberen Normalbereich) spricht man von einer Hyperkaliämie. Ab einem Kalium über 5,9 mmoL pro Liter besteht eine moderate bis schwere Hyperkaliämie, die rasch behandelt werden sollte. Werte über 6,5 mmol pro Liter sind immer als schwere Hyperkaliämie klassifiziert und sehr gefährlich.
Spüre ich, dass etwas mit meinem Kalium nicht passt?
Ein leichter Kaliumüberschuss kann tückisch sein, denn er verursacht nicht unbedingt Symptome. Manchmal kann er Anzeichen wie Kribbeln oder Taubheit der Haut, Durchfall oder Muskelschwäche mit sich bringen. In ernsteren Fällen wird manchmal auch von Muskellähmungen berichtet. Steigt das Kalium in die Höhe, kann das zu sehr gefährlichem Herzstolpern und Herzrhythmusstörungen führen.
Wenn dein Kaliumspiegel andererseits zu niedrig ist, kann sich das manchmal in Muskelschwäche, Krämpfen oder Muskellähmungen zeigen. Auch die Muskeln deines Verdauungstraktes können betroffen sein und so kann es beispielsweise zu Verstopfungen kommen. Ein niedriger Kaliumspiegel kann, ähnlich wie ein hoher, auch zu Herzstolpern und Herzrhythmusstörungen führen.
Beim Lesen dieses Absatzes wird dir sicherlich klar, wieso Kalium tückisch ist: Da du ein zu hohes oder zu niedriges Kaliumlevel nicht unbedingt stark spürst, solltest du besonders darauf achten, dass dein Wert im grünen Bereich liegt - auch wenn du dich gut fühlst.
Wann sollte ich Kalium reduzieren?
Befindet sich deine Nierenkrankheit noch in einem frühen Stadium ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass deine Kaliumwerte noch in Ordnung sind. In diesem Fall wird in der Regel auch keine Einschränkung der Kaliumzufuhr über deine Ernährung notwendig sein.
Mit abnehmender Nierenfunktion können deine Kaliumwerte aus verschiedenen Gründen ansteigen und es kommt zu einer Hyperkalämie, die in einer Laboruntersuchung festgestellt werden kann. Das kann auch manchmal recht rasch geschehen, zum Beispiel wenn du neue Medikamente verschrieben bekommst, die den Kaliumspiegel in deinem Blut beeinflussen können.
Ob und wann Kalium für dich zum Problem wird erfährst du aber immer von deinem Ärzteteam, das dir in diesem Fall auch helfend zur Seite steht. In diesen Fällen kann auch eine Einschränkung der Kaliumzufuhr über deine Ernährung Sinn machen.
Wie kann ich bei Bedarf Kalium also reduzieren?
Denke daran: Du solltest deine Kaliumzufuhr nur dann reduzieren, wenn deine Kaliumwerte zu hoch sind oder es der Fortschritt deiner Nierenschwäche notwendig macht. Dein Arzt kann dir eventuell Medikamente, sogenannte Kaliumbinder, verschreiben.
Grundsätzlich ist aber viel wichtiger, dass du auch darauf achtest, Kalium in diesem Fall über deine Nahrungsaufnahme zu kontrollieren. Das kann auf zwei verschiedene Arten passieren:
1. Die Auswahl deiner Lebensmittel
Kalium kommt in allen Lebensmitteln vor. Es ist bedeutsam, sich im Rahmen der Nierenkrankheit damit zu befassen, in welchen Speisen viel und in welchen wenig Kalium enthalten ist. Besonders in vielen pflanzlichen Lebensmitteln kann relativ viel Kalium enthalten sein.
2. Die Zubereitung deiner Speisen
Kalium ist wasserlöslich. Einerseits ist das gut, andererseits stellt es ein bisschen die bekannten „gesunden" Kochmethoden auf den Kopf. Zum Beispiel kannst du Sachen länger kochen, um deren Kaliumgehalt zu reduzieren. Da das heiße Wasser Kalium entzieht, solltest du die kaliumreiche Kochflüssigkeit dann lieber wegschütten und nicht weiterverwenden. In der Mizu App findest du auch viele weitere Tipps und Tricks, wie du kaliumbewusst leckere Dinge kochen kannst.
Wieviel Kalium soll ich dann täglich zu mir nehmen?
Laut der „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS1) nehmen Erwachsene in Deutschland in etwa 4.000 mg Kalium pro Tag zu sich. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Erwachsene oft eine Kaliumzufuhr zwischen 3.500 und 4.700 mg pro Tag. Bei fehlenden Problemen mit deinen Kaliumwerten gibt es in der Regel auch keine Einschränkungen zu beachten.
Bei bekannter Hyperkalämie kann eine Einschränkung der Kaliumzufuhr Sinn machen. Wie stark diese Einschränkung ausfallen sollte, besprichst du aber am besten mit deine:r Nephrolog:in, deinem Ernährungsberater oder deiner Ernährungsberaterin.
Da die Gesamtmenge ausschlaggebend ist, geht es nicht unbedingt darum, gewisse Lebensmittel komplett aus deinem Alltag zu streichen. Wichtiger ist, dass - falls notwendig - die Gesamtmenge an Kalium über den Tag hinweg stimmt. Deinen Tagesrichtwert kannst du bei Bedarf auch im Ernährungstagebuch der Mizu App anpassen, um die Kaliumangaben einzelner Lebensmittel oder Rezepte in der Nahrungssuche besser interpretieren zu können.



