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Häufige Medikamente bei Nierenkrankheit
Bei chronischer Niereninsuffizienz (=CKD) funktioniert deine Niere nicht mehr so, wie sie eigentlich soll. Daher müssen alle natürlichen Funktionen der Niere ersetzt werden. Doch welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang Blutdruckmedikamente, EPO, Vitamin D, Phosphatbinder, Kaliumbinder usw. und was hat es mit der ganzen Aufregung um die neuen Nierenmedikamente (z.B. SGTL2-Inhibitoren) auf sich? Damit du bei diesen vielen Begriffen den Überblick behältst, wollen wir alles einmal Schritt für Schritt durchgehen.
Here's what you need to know
Das solltest du wissen
Ecco cosa c'è da sapere
Voici ce qu'il faut savoir
Esto es lo que debe saber
  • Durch die Einnahme von Medikamenten kannst du deinem Körper helfen, die fehlende Nierenfunktion auszugleichen  

  • Medikamente, die in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen sind vor allem Medikamente für den Blutdruck, Wassertabletten, die deinem Körper bei der Ausscheidung von überschüssigem Wasser helfen, Kalium- und Phosphatbinder für die Senkung deiner Kalium- und Phosphatwerte, EPO und Eisen für die Stabilisierung deiner Blutwerte, Vitamin D, SGLT-2 Hemmer zur Verlangsamung deiner Nierenkrankheit und Natriumbikarbonat zum Ausgleich deiner Blutsäure 

  • Dein Ärzteteam wird dir bei Fragen jederzeit weiterhelfen und auch die Mizu App hilft dir den Überblick über deine verschiedenen einzunehmenden Medikamente zu behalten  
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Welche Rolle spielen Medikamente bei Niereninsuffizienz?

Bei der CKD nimmt die Filterfunktion deiner Niere ab. Diese Umstände können mit der Zeit dazu führen, dass dein Blut nicht mehr ausreichend von Schadstoffen gereinigt werden kann.

Neben der Blutwäsche haben deine Nieren aber noch andere Funktionen, die bei der Nierenkrankheit ersetzt und ausgeglichen werden müssen. Dazu zählt beispielsweise die Aktivierung von Vitamin D oder die Bildung des Hormons Erythropoetin (=EPO), das die Bildung deiner roten Blutkörperchen anregt.

Zusätzlich sollten bei bestehender CKD natürlich im Optimalfall auch Grunderkrankungen wie der Bluthochdruck oder der Diabetes behandelt werden, um die Nierenkrankheit in ihrem Fortschreiten zu verlangsamen oder das Auftreten neuer Symptome zu verhindern. Dabei können neben Anpassungen deines Lebensstils oft auch Medikamente helfen, die wir heute etwas genauer unter die Lupe nehmen werden.

Bitte beachte, dass dieser Artikel lediglich über verschiedene Medikamentengruppen informieren soll. Dieser Artikel enthält keinerlei Werbung oder Empfehlungen für Medikamente. Bei Fragen zu deinen persönlichen Medikamenten wende dich bitte immer an dein Ärzteteam.

Wie kann ich meine Medikamente bei Nierenkrankheit dokumentieren?

Bevor wir jedoch auf die Medikamentengruppen zu sprechen kommen, solltest du dir auch kurz die Dokumentation deiner Medikamente überlegen. Gerade bei Nierenkrankheit wirst du oft mit einer Flut an Medikamenten konfrontiert, die teils wichtige Funktionen übernehmen und sogar maßgeblich zu deiner Gesundheit beitragen können.

Daher ist es besonders wichtig einen genauen Überblick über deine eigenen Medikamente zu behalten und diese auch regelmäßig und pünktlich, entsprechend dem Plan deines Ärzteteams, einzunehmen. Dafür bietet dir die Mizu App nicht nur die Möglichkeit, deinen eigenen Medikamentenplan in der App einzutragen, sondern auch die Einnahme einzelner Medikamente als erledigt zu markieren oder dich an die Einnahme erinnern zu lassen. So behältst du ganz leicht den Überblick.

Im Folgenden stellen wir dir nun Schritt für Schritt die häufigsten Medikamente bei Nierenkrankheit vor. Damit du nicht den Überblick verlierst, haben wir die einzelnen Medikamentengruppen in Absätze unterteilt. So kannst du bei Bedarf direkt zu der Medikamentengruppe übergehen, die dich interessiert.

Progressionshemmende Medikamente bei Nierenkrankheit

Einige Medikamente können den Fortschritt (=Progression) der chronischen Nierenerkrankung nachweislich bremsen. Diese Medikamentenklassen werden daher besonders oft verschrieben. Während manche davon für alle Menschen mit chronischer Nierenkrankheit in Frage kommen, gibt es andere, die nur unter bestimmten Voraussetzungen verschrieben und eingenommen werden sollten.

1. Blutdruckmedikamente

Blutdruckmedikamente können über eine Senkung des Blutdrucks den Fortschritt der Nierenerkrankung verlangsamen. Daher gehören sie bei Bluthochdruck und Nierenkrankheit zur Therapie der ersten Wahl. Da es eine ganze Reihe an Blutdruckmedikamenten gibt, werden wir diese etwas weiter unten gesondert besprechen

2. SGLT2-Inhibitoren

Auch SGLT2-Inhibitoren gehören zur Therapie der ersten Wahl. Diese Medikamentengruppe blockiert den Rücktransport von Zucker (=Glucose) aus deiner Niere in dein Blut. So wird mehr Zucker über deinen Urin ausgeschieden. Das wirkt sich positiv auf den Zuckerstoffwechsel aus.

SGLT2-Inhibitoren verbessern über diese Wirkung aber nicht nur deinen Blutzucker, sondern verlangsamen so auch den Fortschritt der Nierenkrankheit und verhindern Herz-Kreislauf-Komplikationen. Dein Ärzteteam wird dir genau sagen, ob und wie du dieses Medikament einnehmen sollst.

Manchmal kann diese Medikamentenklasse aber auch zu Harnwegsinfektionen führen. Das kann passieren, weil die vermehrte Ausscheidung von Zucker über deinen Urin stellt einen guten Nährboden für Bakterien dar.

3. nsMRAs

Eine weitere wichtige Medikamentenklasse bei Diabetes Typ 2 und Nierenkrankheit sind sogenannte nicht-steroidale Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten (=nsMRAs). Ihr Name ist so kompliziert, dass sie oft einfach als nsMRAs abgekürzt werden.

Sie werden zur Verlangsamung des Fortschritts der CKD bei Menschen eingesetzt, die zusätzlich eine Zuckerkrankheit (=Diabetes) vom Typ 2 haben und bei denen bestimmte Blutdruckmedikamente keine ausreichende Wirkung gezeigt haben. Der Typ 2 Diabetes ist eine Erkrankung, die in den meisten auf die Kombination ungünstiger genetischer Voraussetzungen mit ungesunden Lebensgewohnheiten (z.B. unvorteilhafte Ernährung, wenig körperliche Aktivität) zurückzuführen ist.

Forschungsarbeiten haben in der Vergangenheit gezeigt, dass entzündliche Prozesse eine wichtige Rolle in der Entstehung und dem Progress (=Fortschritt) der CKD spielen. Genau diese Prozesse können durch nsMRAs positiv beeinflusst werden und so nicht nur zu positiven Effekten auf deine Nieren, sondern auf dein gesamtes Herz-Kreislaufsystem führen. Zusätzlich können nsMRAs auch eine positive Wirkung auf den Blutdruck haben.

Beim Einsatz von nsMRAs kann es zu einem Anstieg des Kaliumspiegels im Blut kommen. Aus diesem Grund wird dieser Wert bei der Anwendung dieser Medikamente oft besonders gut überwacht. Ob diese Medikamentengruppe für dich geeignet ist entscheidet natürlich dein:e behandelnd:e Ärzt:in.

4. GLP-1-Rezeptoragonisten

Neben nsMRAs können bei Typ 2 Zuckerkrankheit und chronischer Nierenkrankheit auch sogenannte GLP-1-Rezeptoragonisten zum Einsatz kommen. Diese werden umgangssprachlich oft auch als “Abnehmspritzen” bezeichnet.

Sie stimulieren die Ausschüttung des Hormons Insulin in der Bauchspeicheldrüse. So wirken sie positiv auf den Blutzuckerspiegel und haben oft eine sättigende Wirkung, weshalb die Einnahme dieser Medikamente auch zu einem nennenswerten Gewichtsverlust führen kann.

Obwohl GLP-1-Rezeptoragonisten ursprünglich nicht für die Nierenkrankheit entwickelt wurden, haben neuere Untersuchungen gezeigt, dass sie auch den Fortschritt der Nierenkrankheit hemmen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vermeiden können. Ob und in welcher Form diese Medikamente für dich geeignet sind besprichst du am besten mit deinem Ärzteteam.

5. Medikamente gegen eine Übersäuerung

Deine Nieren kontrollieren auch, wie sauer oder basisch dein Blut ist. Wenn sie das nicht mehr können, wird dein Blut meist immer “saurer”. Das bezeichnet dein Ärzteteam bei chronischer Nierenkrankheit als eine metabolische Azidose.

Wenn deine eigenen Nieren noch funktionieren, aber langsam an Funktion verlieren, kann eine unterstützende Therapie mit Natriumbikarbonat von deinem Ärzteteam verschrieben werden. Es hilft, diese Übersäuerung abzupuffern und kann so den Fortschritt der Progression verlangsamen.

Blutdruckmedikamente bei Nierenkrankheit

Bluthochdruck kann Ursache und Folge einer Nierenschwäche sein. Unabhängig davon kann der hohe Druck in deinen Blutgefäßen langfristig zu negativen Folgen und Schäden an deinem Herz-Kreislaufsystem führen. Es ist also wichtig, deinen Blutdruck bei Nierenkrankheit in den Griff zu bekommen und dein Herz-Kreislaufsystem fit zu halten.

Dafür sind, falls von deinem Ärzteteam verordnet, neben körperlicher Aktivität oft auch Medikamente notwendig, um deinen Blutdruck auf den entsprechenden Zielwert zu senken. Dieser Zielwert unterscheidet sich für die verschiedenen Phasen der Nierenkrankheit bis hin zur Transplantation:

Stadium der Nierenkrankheit Häufige Zielwerte für deinen Blutdruck (mmHg)
Niereninsuffizienz ohne Dialyse < 120 / 80 (gemessen durch ein standardisiertes Verfahren des Ärzteteams)
Dialysepflichtige Niereninsuffizienz < 140 / 90 (selbst, zuhause gemessen zwischen Dialysebehandlungen)

1. RAAS-Antagonisten

ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten oder Reninhemmer greifen in das sogenannte Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (=RAAS) ein. Das ist ein echter Zungenbrecher, aber gar nicht so kompliziert wie es klingt. Das RAAS ist ein Regelkreis aus verschiedenen Hormonen, der den Flüssigkeitshaushalt in deinem Körper reguliert und dadurch den Blutdruck in deinem ganzen Körper inklusive deinen Glomeruli (=Funktionseinheit in deinen Nieren) kontrolliert.

Der Blutdruck kann über Medikamente, die das RAAS gezielt beeinflussen, gesenkt werden. Diese RAAS-Antagonisten (=Hemmer) werden bei chronischer Nierenkrankheit sehr oft verschrieben.

2. Calciumkanalblocker

Calciumkanalblocker weiten die Blutgefäße und senken so den Blutdruck durch eine Minderung des Widerstands der Wände deiner Blutgefäße. Zu dieser Klasse an Medikamenten zählen länger wirksame Wirkstoffe wie Amlodipin oder Lercanidipin und kürzer wirksame Wirkstoffe wie Nitrendipin oder Nifedipin.

3. Wassertabletten

Diuretika sind auch als “Wassertabletten” bekannt und helfen, wie der Name vermuten lässt, deinen Nieren dabei mehr Wasser auszuscheiden. Nimmt die Nierenfunktion und damit auch die Ausscheidung deutlich ab, können sie jedoch ihre Wirksamkeit verlieren.

Andere wichtige Medikamente bei Nierenkrankheit

Neben Medikamenten und Wirkstoffen, die den Fortschritt der chronischen Nierenkrankheit deutlich beeinflussen können, gibt es auch eine ganze Reihe an Medikamenten, die eingesetzt werden können, um wichtige Komplikationen und Folgen der Nierenkrankheit zu behandeln:

1. Phosphatbinder

Viele Menschen mit Nierenkrankheit haben bei einer deutlichen Einschränkung der Nierenfunktion mit hohen Phosphatwerten zu kämpfen. Neben einer Ernährungsoptimierung helfen dabei vor allem Phosphatbinder, falls diese von deinem Ärzteteam verordnet wurden. Sie sind gefragt, um dein Phosphat in Richtung des Referenzbereichs von 1,45 mmol/l (bzw. 4,5 mg/dl) zu bringen.

Phosphatbinder binden, wie der Name bereits vermuten lässt, Phosphat im Körper. Sie führen dazu, dass es vermehrt über den Stuhlgang ausgeschieden wird und gar nicht erst vom Körper aufgenommen wird. Es gibt allerdings verschiedene Formen der Phosphatbinder. Dein Ärzteteam kennt sich bestens mit Phosphatbindern aus und kann dir bei allen Fragen zur Funktion, zur richtigen Einnahme und zu unterschiedlichen Präparaten behilflich sein.

2. EPO & Eisen

Wie du bereits weißt, wäscht deine Niere nicht nur dein Blut, sondern bildet auch andere Botenstoffe. Zu diesen Hormonen gehört auch Erythropoetin (=EPO), das die Bildung neuer roter Blutkörperchen in deinem Körper reguliert. Fällt deine Niere aus, sinkt daher oft dein Blutwert (Hämoglobin- oder Hb-Wert), was als renale Anämie bezeichnet wird.

Die KDIGO – eine Organisation zur Verbesserung der Behandlung von Menschen mit Nierenkrankheit - empfiehlt für die chronische Nierenkrankheit einen Ziel Hb-Wert von maximal 11,5 g/dL, wenn dieser durch Therapie angehoben werden muss. Dein individuelles Ziel wirst du aber gemeinsam mit deinem Ärzteteam festlegen. Ein Hb-Wert von 13 g/dL sollte, anders als bei gesunden Menschen, jedoch nicht überschritten werden.

Bei einem Hb-Wert von unter 10 g/dL kann die Verabreichung von künstlichem EPO durch dein Ärzteteam in Erwägung gezogen werden. Dein Ärzteteam wird dir dabei helfen, die für dich am besten geeignete Therapieform zu finden.

3. Kaliumbinder

Kalium ist ein wasserlösliches Mineral, das in allen pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln in unterschiedlichen Mengen enthalten ist. Auch in unserem Körper nimmt Kalium eine wichtige Funktion ein. Bei einer deutlich fortgeschrittenen Abnahme der Nierenfunktion kommt es bei vielen Menschen zu einem Anstieg des Kaliums im Blut, was zu bedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen kann.

Kaliumbinder binden ähnlich wie Phosphatbinder das Kalium in der Nahrung und scheiden es über den Darm aus. Bei Durchfall wird Kalium oft von alleine über den Darm verloren, was für die Einnahme von Kaliumbindern von Bedeutung sein könnte, da dann ggf. die Dosis reduziert werden sollte. Besprich deinen konkreten Einzelfall aber am besten mit deinem Ärzteteam, sodass ihr die für deinen Körper optimale Dosierung findet.

4. Vitamin D

Anders als andere Vitamine kann unser Körper mit Hilfe des Sonnenlichts Vitamin D selbst herstellen, bevor es in unserer Niere (mit einem Zwischenschritt in der Leber) in eine aktive Form überführt wird. Bei einer chronischen Nierenkrankheit fehlt unserem Körper also oft auch aktives Vitamin D, was zu Problemen für deine Calcium- und Phosphathaushalt, sowie die Gesundheit deiner Knochen führen kann.

Als Nierenpatient:in solltest du in der Regel eine Form von Vitamin D bekommen, die bereits voll aktiviert ist. Eine natürliche Aktivierung von Vitamin D in der Niere ist – wie bereits erwähnt - oft nicht mehr möglich.

5. Statine

Die CKD ist nicht nur ein Problem der Niere, sondern beeinflusst auch andere Systeme des Körpers. Das gilt vor allem für dein Herz-Kreislauf-System. Mit eingeschränkter Nierenfunktion und/oder Eiweiß im Urin kann das Risiko für Gefäßverkalkungen deutlich steigen. Mögliche Folgen sind Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Hier kommen Statine ins Spiel – Medikamente, die die Cholesterinwerte im Blut senken und so dein Herz-Kreislauf-System schützen und fit halten.

Statine hemmen ein Enzym in der Leber, das für die Bildung des Cholesterins verantwortlich ist. So können sie das sogenannte LDL-Cholesterin („schlechtes Cholesterin“) senken. Studien zeigen, dass der Einsatz von Statinen bei Menschen mit Nierenkrankheit diese möglicherweise vor den oben genannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen kann, vor allem in frühen bis mittleren Stadien der Nierenkrankheit.

Was sollte ich mir merken?

Das waren ganz schön viele Informationen auf einmal. Diese musst du dir natürlich nicht alle merken. Du kannst dir diesen Artikel ganz einfach merken und bei Bedarf einmal deine aktuelle Medikamentenliste unter die Lupe nehmen. So kann dir dieser Artikel helfen zu verstehen, worin die Funktion der Medikamente besteht, die dein Ärzteteam verschrieben hat.

Ganz generell gilt, dass dein Ärzteteam immer der erste Ansprechpartner bei Rückfragen oder Unklarheiten bezüglich deiner Medikamente sein sollte.

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