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Diabetes, Niereninsuffizienz & Medikamente
Du hast eine Nierenschwäche, gehst zur Dialyse oder hast eine transplantierte Niere und bist gleichzeitig “zuckerkrank”? Dann ist dieser Artikel sehr wichtig für dich. Er erklärt dir die wichtigsten Grundlagen zum Zuckerstoffwechsel. Außerdem erfährst du, bei welchen Medikamenten du bei eingeschränkter Nierenfunktion aufpassen solltest bzw. ab welchem Zeitpunkt die Medikamentendosis angepasst werden muss.
Here's what you need to know
Das solltest du wissen
Ecco cosa c'è da sapere
Voici ce qu'il faut savoir
Esto es lo que debe saber
  • Eine verminderte Nierenfunktion beeinflusst viele Medikamente - vor allem die, die über die Niere:n abgebaut oder ausgeschieden werden
  • Viele deiner Diabetesmedikamente müssen entsprechend deiner Nierenfunktion in verringerter Dosis gegeben werden - manche dürfen gar nicht mehr eingenommen werden
  • Hast du einen Diabetes und gleichzeitig eine eingeschränkte Nierenfunktion musst du umso mehr aufpassen, Unterzucker zu vermeiden
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Zucker ist entgegen der weit verbreiteten Meinung nicht grundsätzlich schlecht. Glucose zum Beispiel - umgangssprachlich auch Traubenzucker genannt - ist der wichtigste Energielieferant für deinen Körper. Wie heißt es aber so schön: Die Dosis macht das Gift.

Es geht also nicht darum keinen Zucker zu essen, sondern darum nicht zu viel Zucker (oder auch Energie genannt) über die Ernährung aufzunehmen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt zum Beispiel die Zuckermenge pro Tag auf weniger als 10% der Gesamtenergiezufuhr zu reduzieren. Das Schwierigste dabei ist, dass du oft gar nicht genau weißt, wie viel Zucker tatsächlich in deiner Nahrung ist - vor allem dann nicht, wenn du gerne mal zu Fertigprodukten greifst. In denen versteckt sich nämlich leider häufig besonders viel Zucker.

Wusstest du, dass in Lebensmitteln wie Kartoffeln, Brot und Nudeln auch Zucker enthalten ist, obwohl sie gar nicht süß schmecken? In dem Zusammenhang wird von sogenannten "Kohlenhydraten" gesprochen. Den Namen hast du bestimmt schon einmal gehört. Wenn man sich die Kohlenhydrate unter dem Mikroskop anschaut, bestehen sie aus kleinen Zuckermolekülen. Die Kohlenhydrate, die zum Beispiel in deinem Brot enthalten sind, werden in deinem Darm von Verdauungssäften in die einzelnen Zuckermoleküle aufgespalten und dann ins Blut aufgenommen. In deinem Blut lässt sich die Menge an Zucker als Blutzuckerwert messen. Von dort transportiert dein Blut den Zucker dann zu deinen Körperzellen.

Diabetes & Zuckerkrankheit

Nur weil das Zuckermolekül aus dem Blut an deine Zellentür klopft, wird es noch lange nicht hinein gelassen. Den Schlüssel für den Einlass hat der Türsteher - das Hormon Insulin. Um diese Zusammenhänge genauer zu verstehen, muss man nun zwischen Diabetes Typ 1 und Typ 2 unterscheiden.

Diabetes Typ 1

Wenn du die Diabetes mellitus Typ 1 hast, dann kann dein Körper - genauer gesagt die Bauchspeicheldrüse - nicht genug Insulin produzieren. Der Zucker kann deshalb nicht wie gewohnt von deinen Zellen aufgenommen werden und bleibt in deinem Blut zurück. Dieses Phänomen tritt meistens schon in der Kindheit oder in der Jugend auf und zeigt sich häufig durch extremen Durst und häufiges Wasserlassen. Im Blut kann der Zuckergehalt als Blutzuckerwert gemessen werden. Zu wenig Insulin bedeutet dann also höhere Blutzuckerwerte, was wiederum deine Gefäße und Organe schädigen kann.

Diabetes Typ 2

Beim Diabetes mellitus Typ 2 sind deine Zellen total genervt, weil ständig der Türsteher Insulin an die Zellentür klopft. Neben einer genetischen Komponente begünstigen wenig Bewegung und eine nachteilige Ernährung die Entwicklung eines Typ 2 Diabetes. Dadurch hat der Körper häufig schon über Jahre mit viel zu viel Zucker zu kämpfen. Um den ganzen Zucker in die Zellen zu bekommen, wird mehr Insulin produziert.

Was würdest du tun, wenn dir ständig dieselbe Person auf die Nerven geht und an deine Tür klopft? Wahrscheinlich nicht mehr reagieren. Genau das kann mit deinen Zellen und Insulin auch passieren - sie reagieren irgendwann nicht mehr wie gewohnt. In der Medizin spricht man dann von der sogenannten Insulinresistenz. Deine Zellen werden also irgendwann resistent gegenüber der Wirkung von Insulin. Nach einer gewissen Zeit ist deine Bauchspeicheldrüse so erschöpft davon, ständig Insulin zu produzieren, dass die Insulinproduktion weniger wird. Die Folge von weniger Insulin bedeutet auch hier, dass mehr Zucker in deinem Blut zurückbleibt. Als Resultat steigt dein Blutzuckerwert über den gesunden Normbereich.

Unterzucker (=Hypoglykämie)

Doch nicht nur zu hohe Blutzuckerwerte (=Hyperglykämie) sind ein Problem für deinen Körper und deine Gesundheit - auch zu wenig Zucker in deinem Blut (=Hypoglykämie) ist gefährlich. Deinen Zellen - vor allem den Nervenzellen in deinem Gehirn - fehlt dann die nötige Energie, um gut zu funktionieren. Das kann sich in Form von Zittern, Unruhe, Verwirrtheit bis hin zu Bewusstlosigkeit zeigen. Damit das nicht so schnell passiert, kann dein Körper Glucose speichern und auch selbst herstellen. Die Herstellung von Glucose findet vor allem in der Leber und in deine:n Niere:n statt.

Was haben Diabetes und die Niere:n miteinander zu tun?

1. Diabetes als Ursache der chronischen Nierenkrankheit

Deine Niere:n können direkt von der Zuckerkrankheit betroffen sein. In diesem Fall spricht man von einer sogenannten diabetischen Nephropathie oder diabetischen Nierenkrankheit. Weltweit ist die Zuckerkrankheit sogar die häufigste Ursache für eine chronische Nierenkrankheit. Gleichzeitig kann ein Diabetes aber auch das Fortschreiten einer bestehenden CKD drastisch beschleunigen. Generell stellt die Kombination von Diabetes und chronischer Nierenkrankheit also immer ein ernstzunehmendes Problem dar.

Bei der diabetischen Nierenkrankheit kommt es durch anhaltende hohe Blutzuckerwerte zu Schäden an den Nierenfiltern und so zu einer Störung der Filterfunktion der Niere:n. Oft gelangt so mehr Eiweiß (=Protein) in deinen Urin. In diesem Fall spricht dein Ärzteteam oft von einer Proteinurie oder Albuminurie. Diese kann ein erstes Anzeichen auf einen diabetische Nephropathie sein.

2. Medikamente für die Zuckerkrankheit

Um deinen Zuckerhaushalt unter Kontrolle zu behalten, sind bei einer Zuckerkrankheit häufig Medikamente notwendig. Bei Nierenkrankheit funktionieren deine Niere:n häufig nicht mehr ganz so gut, wie bei nierengesunden Menschen. Wie du wahrscheinlich weißt, ist eine wichtige Aufgabe deiner Niere:n die Reinigung deines Blutes.

Damit ist sie auch bei vielen Medikamenten für den Abbau und die Ausscheidung der Medikamente verantwortlich. Nimmt deine Nierenfunktion ab, dann bleiben deine Medikamente häufig über einen längeren Zeitraum in deinem Körper und wirken länger. Außerdem gibt es Medikamente, die deine Niere:n zusätzlich schädigen können, wodurch deren Funktion weiter abnimmt. Deshalb darfst du - je nach Nierenfunktion - manche Medikamente gar nicht mehr nehmen oder die Menge muss verringert werden. Aber keine Sorge, hier wird sich dein Ärzteteam um dich kümmern und deine Medikation optimal auf dich abstimmen.

Um einschätzen zu können, wie gut deine Niere:n tatsächlich funktionieren, wird gerne die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (=eGFR) verwendet. Dieser Wert gibt an, wieviel Blut deine Niere:n pro Minute reinigen. Je höher der Wert ist, desto besser ist deine Nierenfunktion. Deine eGFR spielt daher auch die entscheidende Rolle dabei, welche Diabetesmedikamente du noch nehmen darfst bzw. wann die Dosis angepasst werden muss.

Die wichtigsten Diabetesmedikamente im Überblick

Wie oben erwähnt kann eine eingeschränkte Nierenfunktion Auswirkungen auf deine Medikamente haben. Das kann zu Folge haben, dass du gewisse Medikamente gar nicht mehr nehmen darfst oder nur in einer geringeren Menge. Doch wie schaut das jetzt konkret bei deinen Diabetesmedikamenten aus? Hier erhältst du einen kurzen Überblick.

Es gibt viel zu viele verschiedene Medikamente, um hier ein vollständiges Bild geben zu können. Deshalb haben wir nur die häufigsten Medikamentengruppen aufgelistet. Übrigens: Bei einer Medikamentengruppe handelt es sich um Medikamente, die auf die selbe Art und Weise wirken. Allerdings unterscheiden sie sich möglicherweise in ihrem Inhaltsstoff (=Wirkstoff).

Bitte beachte, dass dieser Artikel lediglich über verschiedene Medikamentengruppen informieren soll. Dieser Artikel enthält keinerlei Werbung oder Empfehlungen für Medikamente. Bei Fragen zu deinen persönlichen Medikamenten wende dich bitte immer an dein Ärzteteam.

Medikamente bei Diabetes Typ 2 und Nierenkrankheit

1. Biguanide

Das Wort Biguanide hört sich vermutlich so fremd für dich an, dass du es dir nur schwer merken wirst. Dabei gehören Biguanide zur Therapie der ersten Wahl bei der Zuckerkrankheit. Besser bekannt ist oft der Wirkstoff Metformin. Metformin gehört zu den wichtigsten Medikamenten, die zur Kontrolle des Blutzuckerspiegels bei Typ 2 Diabetiker:innen zum Einsatz kommen.

Das schafft Metformin, indem es dafür sorgt, dass weniger Zucker über den Darm aufgenommen wird. Außerdem bremst es die Zuckerherstellung in der Leber und verringert dadurch auch den Blutzuckerwert. Dieser Prozess ist bei einer Zuckerkrankheit in der Regel gut für deine körperliche Gesundheit.

In Kombination mit einer verringerten Nierenfunktion können Biguanide aber leider in manchen Fällen zu einer Übersäuerung (=Azidose) des Blutes führen. Wie es genau dazu kommt, darüber musst du dir nicht den Kopf zerbrechen. Das wissen oft nicht einmal deine behandelnden Ärzt:innen. Wichtig ist nur, dass du weißt, dass diese Medikamente ab einer deutlichen Einschränkung der Nierenfunktion (eGFR < 30 mL/min) in vielen Fällen nicht mehr eingenommen werden sollen. Bei einer eGFR zwischen 30 und 60 ml/min schränken Ärzt:innen die Dosis oft ein. Die Anpassung deiner Medikamente erfolgt aber immer und in jedem Fall über dein persönliches Ärzteteam.

2. SGLT2-Inhibitoren

Bei Typ 2 Diabetes und Nierenkrankheit gehören auch SGLT2-Inhibitoren zur Therapie der ersten Wahl. Anders als Metformin entfalten sie ihre Wirkung jedoch direkt an der Niere. Zucker wird normalerweise nur in überschaubaren Mengen über den Urin ausgeschieden. Das liegt daran, dass deine gesunde:n Niere:n den Zucker über einen Transporter in der Niere wieder in dein Blut zurück überführen.

Genau hier kommen die SGLT2-Inhibitoren ins Spiel. Diese Medikamentengruppe soll diesen Transporter im Optimalfall blockieren, sodass mehr Zuckers über den Urin ausgeschieden wird. Das wirkt sich positiv auf den Zuckerstoffwechsel aus. SGLT2-Inhibitoren verbessern über diese Wirkung nicht nur deinen Blutzucker, sondern verlangsamen so auch den Fortschritt der Nierenkrankheit und verhindern Herz-Kreislauf-Komplikationen.

Aus diesem Grund werden sie heute oft auch unabhängig von einer Zuckerkrankheit verschrieben, um die Verschlechterung deiner Nierenfunktion zu verlangsamen. Unter der Therapie mit SGLT2-Inhibitoren kann es vermehrt zu Infektionen der Harnwege und genitalen Pilzinfektionen kommen. Sprich am besten mit deinem Ärzteteam, falls du genauere Fragen zu diesem Medikament hast.

3. nsMRAs

Eine weitere wichtige Medikamentenklasse bei Diabetes Typ 2 und Nierenkrankheit sind sogenannte nicht-steroidale Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten. Ihr Name ist so kompliziert, dass sie oft einfach als nsMRAs abgekürzt werden.

Ihre Wirkung entfalten sie durch die Hemmung von Aldosteron, einem Hormon, das die Menge und Konzentration von Wasser und Natrium in deinem Körper reguliert. So helfen nsMRAs deinem Körper bei der Regulation des Blutdrucks. Wissenschaftler gehen außerdem davon aus, dass sie entzündungshemmend wirken und schädliche Umbauprozesse innerhalb der Niere bremsen.

Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass nsMRAs durch ihre Wirkung den Progress der Nierenkrankheit in Menschen mit CKD und Diabetes Typ 2 verlangsamen und das Auftreten von Herz-Kreislauf-Komplikationen deutlich reduzieren können. Sie gehören daher zu den wichtigen Medikamentenklassen bei Zucker- und Nierenkrankheit. Zum Einsatz kommen sie in der Regel erst dann, wenn die Nierenfunktion noch nicht zu weit gesunken ist und trotz der Anwendung spezieller Blutdruckmedikamente vermehrt weiterhin Eiweiß über den Urin ausgeschieden wird.

Beim Einsatz von nsMRAs kann es zu einem Anstieg des Kaliumspiegels im Blut kommen. Aus diesem Grund wird dieser Wert bei der Anwendung dieser Medikamente oft besonders gut überwacht.

4. GLP-1-Rezeptoragonisten

Bessern sich Blutzuckerwerte auch bei der Einnahme von Medikamente nicht, können auch GLP-1-Rezeptoragonisten zum Einsatz kommen. Diese werden umgangssprachlich oft auch als “Abnehmspritzen” bezeichnet.

Sie stimulieren die Ausschüttung des Hormons Insulin in der Bauchspeicheldrüse. So wirken sie positiv auf den Blutzuckerspiegel und haben oft eine sättigende Wirkung. Aus diesem Grund kann die Einnahme dieser Medikamente oft auch zu einem nennenswerten Gewichtsverlust führen.

Obwohl GLP-1-Rezeptoragonisten ursprünglich nicht für die Nierenkrankheit entwickelt wurden, haben neuere Untersuchungen gezeigt, dass sie auch den Fortschritt der Nierenkrankheit hemmen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vermeiden können.

Vor allem zu Beginn der Therapie mit GLP-1-Agonisten kommt es häufig zu Übelkeit. Diese lässt mit der Zeit meist nach und kann durch Dosisanpassung oft reduziert werden. Selten kann es zu einer Entzündung deiner Bauchspeicheldrüse kommen. Hinweisend darauf sind sehr starke Bauchschmerzen, die wie ein Gürtel vorne um deinen Bauch verlaufen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann eine Anpassung der Dosis notwendig sein. Die exakte Dosierung deiner Medikamente besprichst du daher im Optimalfall immer mit deinem Ärzteteam.

5. Sulfonylharnstoffe

Ist deine Bauchspeicheldrüse durch deine Typ 2 der Zuckerkrankheit müde geworden, Insulin zu produzieren, können sogenannte Sulfonylharnstoffe die Produktion in vielen Fällen wieder ankurbeln. Sie werden allerdings in der Regel über die Niere:n ausgeschieden. Daher dürfen die meisten nicht mehr verwendet werden, wenn die eGFR weniger als 30 mL/min beträgt. Bei einigen Medikamenten reicht es jedoch, die Dosis zu verringern. Den genauen Überblick darüber hat dein:e behandelnd:e Ärzt:in. Wenn es dich genauer interessiert, dann frag’ doch mal bei deinem nächsten Kontrolltermin nach.

Es ist noch wichtig zu erwähnen, dass Sulfonylharnstoffe in manchen Fällen zu Unterzucker (=Hypoglykämie) führen können. Frag am besten auch hier dein:e behandelnd:e Ärzt:in, wie du damit umgehen sollst.

6. DPP-4-Inhibitoren

DPP-4-Inhibitoren erhöhen über Umwege auch die Ausschüttung von Insulin aus deiner Bauchspeicheldrüse. Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann eine Anpassung der Dosis nötig sein. Genauere Informationen erhältst du immer von deinem Ärzteteam.

7. Glinide

Glinide motivieren deine Bauchspeicheldrüse ebenfalls dazu mehr Insulin zu produzieren. Sie sind Abkömmlinge der Sulfonylharnstoffe. Auch einige der Glinide werden über die Nieren augeschieden. Das kann Einfluss auf die Verschreibung dieser Medikamente bei chronischer Nierenkrankheit nehmen. Wie die Sulfonylharnstoffe können auch Glinide zu Unterzucker führen. Genauere Informationen erhältst du immer von deinem Ärzteteam.

8. Thiazolidindione

Weiter geht’s mit den Zungenbrechern! Thiazolidindione führen im Optimalfall dazu, dass deine Zellen wieder “besser” auf Insulin reagieren. Leider kann es bei der Einnahme aber auch zu Wassereinlagerungen im Körper kommen. Das Problem kennst du vielleicht auch schon von deiner Nierenerkrankung. Wenn deine Niere:n es nicht mehr schaffen, genügend Flüssigkeit auszuscheiden, dann lagert sie sich z.B. in deinen Beinen oder deiner Lunge ein. Diese Zusatzbelastung braucht dein Körper nicht. Deswegen werden Thiazolidindione bei eingeschränkter Nierenfunktion in der Regel nicht eingesetzt. Außerdem sind sie bei Herzschwäche schädlich und erhöhen das Risiko für die Entwicklung von Blasenkrebs. Genauere Informationen erhältst du immer von deinem Ärzteteam.

Wann und in welchen Fällen kommt Insulin zum Einsatz?

Menschen mit Typ 1 Diabetes produzieren in der Regel zu wenig Insulin. Sie müssen dem Körper das Hormon Insulin daher durch Spritzen zuführen, denn ihre Bauchspeicheldrüse kann das Hormon ja selbst nicht ausreichend produzieren. Da du einen großen Teil des Zuckers über die Nahrung aufnimmst, richtet sich die Menge an Insulin und der Zeitpunkt, wann du spritzt, häufig nach deinen Mahlzeiten. Achtung, spritzt du dir zu viel Insulin, kann es zu Unterzucker kommen. Dann ist das Verhältnis zwischen Insulin und Blutzucker nicht ausgeglichen und es bleibt nicht genügend Zucker im Blut zurück, um die Zeit zwischen den Mahlzeiten zu überbrücken.

Im Fall eines Typ 2 Diabetes produziert deine Bauchspeicheldrüse häufig noch selbst Insulin. Da helfen oft andere Medikamente und vor allem ein möglichst gesunder Lebensstil, um deinen Zuckerhaushalt besser in den Griff zu bekommen. Wirken die Maßnahmen jedoch auch nicht mehr, kommt irgendwann auch bei Typ 2 Diabetes Insulin zum Einsatz.

Außerdem gibt es beim Insulin noch diverse Varianten. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie lange sie wirken. Wann du welches Insulin und in welcher Menge verwendest, ist sehr individuell. Daher wird von deine:r Diabetolog:in in der Regel ein auf dich abgestimmter Insulin-Plan erarbeitet, an den du dich möglichst genau halten solltest.

Abgebaut wird Insulin vor allem von deiner Leber, aber auch deine Niere:n und sogar deine Muskeln können Insulin abbauen. Wie du dir beim Lesen des Artikels bereits denken kannst, wird Insulin langsamer abgebaut, wenn deine Niere:n nicht mehr so gut funktionieren. Das heißt Insulin wirkt dann länger. Grundsätzlich ist das nicht direkt etwas Schlechtes. Es führt häufig dazu, dass du seltener bzw. weniger Insulin spritzen musst. Aber keine Sorge, genauere Informationen und Hilfe erhältst du in diesem Fall von deinem Ärzteteam.

Herausforderungen bei Diabetes & Nierenschwäche

Eine Nierenkrankheit hat oft auch Auswirkungen auf deinen Zuckerstoffwechsel und deine Diabetesmedikamente.

Zum einen weißt du mittlerweile, dass viele Medikamente bei der Zuckerkrankheit über die Niere:n abgebaut oder ausgeschieden werden oder sogar in den Niere:n wirken und deshalb die Wirkung bei Nierenschwäche länger oder verändert sein kann. Zum anderen sind deine Niere:n zu einem kleinen Teil auch daran beteiligt, Glucose (=Zucker im Blut) selbst herzustellen, um einen möglichen Unterzucker zu vermeiden. Funktionieren sie nicht mehr, wie sie sollen, dann ist die körpereigene Zuckerherstellung auch eingeschränkt. Dadurch kann die Gefahr für einen Unterzucker bei Diabetes und Nierenfunktionseinschränkung höher sein.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Risiko für einen Unterzucker bei Diabetes und gleichzeitig eingeschränkter Nierenfunktion erhöht ist. Deshalb ist es wichtig, die Nierenfunktion im Auge zu behalten und die Medikamente entsprechend anzupassen. Als Richtlinie kann man sagen, dass deine Medikamente und ihre Dosierung in der Regel ab einer eGFR von unter 60 ml/min von deine:r behandelnden Nephrolog:in überprüft werden sollten. Spätestens wenn deine eGFR unter 30 ml/min sinkt, gibt es eine Reihe von Wirkstoffen, die nicht mehr gegeben werden dürfen oder nur in geringer Menge.

Wie du siehst, ist ein ganz wichtiger Baustein: Hol dir unbedingt von deine:r Nephrolog:in das “Okay”, wenn dir zum Beispiel andere Ärzt:innen oder Apotheker:innen Ergänzungen oder Anpassungen an deinem Medikationsplan vorschlagen!

References
References
References
References
References
  • internisten-im-netz.de. Biguanide. Abgerufen am 09.12.2022
  • akdae.de. Antidiabetika bei nachlassender Nierenfunktion. Abgerufen am 09.12.2022
  • next.amboss.com. Diabetes mellitus. Abgerufen am 09.12.2022
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  • Nationale Versorgungsleitlinie Typ-2-Diabetes; Version 3.0; AWMF-Register-Nr. nvl-001
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